
Der Untertan Film (1951) – Handlung, Cast & Ende
Es gibt Filme, die einen so direkt in eine vergangene Zeit katapultieren, dass man danach die Gegenwart mit anderen Augen sieht. „Der Untertan“ von Wolfgang Staudte ist so ein Film – eine scharfzahnige Satire aus dem Jahr 1951, die den wilhelminischen Obrigkeitsstaat und seine menschelnden Abgründe so treffend entlarvt, dass sie bis heute brennt. In diesem Artikel erfahren Sie, warum der DEFA-Klassiker damals für Kontroversen sorgte, wie die Geschichte um den autoritätshörigen Diederich Heßling endet und wo Sie den Streifen heute sehen können.
Roman erschienen: 1918 ·
Film uraufgeführt: 1951 ·
Regisseur: Wolfgang Staudte ·
Hauptdarsteller: Werner Peters ·
Filmlänge: 110 Minuten ·
Produktionsland: DDR (DEFA)
Kurzüberblick
- Exakte Verleihzahlen des Films in den 1950er Jahren sind nicht bekannt
- Umfang der Zensur durch DDR-Behörden wird in Quellen unterschiedlich bewertet
- Originalnegative gelten als verschollen; heutige Versionen basieren auf Rekonstruktionen
- 1918: Roman erscheint
- 1930er–1940er: Roman im Nationalsozialismus verboten
- 1951: Uraufführung des Films
- Heute: gilt als DEFA-Klassiker
- Der Film ist auf verschiedenen Streaming-Plattformen verfügbar (z.B. kolektiva.media)
- Der Film wird häufig im Schulunterricht behandelt
- Es gibt restaurierte Fassungen
Staudtes Film zeigt, wie der Untertan-Typus nicht nur den wilhelminischen Obrigkeitsstaat stützte, sondern den Boden für den Nationalsozialismus bereitete – ein direkter historischer Bogen, der 1951 im Kalten Krieg hochbrisant war.
Was ist der Untertan?
Handlung des Films
Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Fabrikantensohns Diederich Heßling, der von Kindheit an lernt, sich nach oben zu biegen und nach unten zu treten. Heßling intrigiert gegen Konkurrenten, paktiert mit korrumpierten Sozialdemokraten und schmeichelt sich beim Regierungspräsidenten von Wulkow ein, um in der Provinzstadt Netzig Macht zu gewinnen – eine Karikatur des autoritären Aufsteigers (Wikipedia, Artikel zum Film). Der Höhepunkt seiner Macht ist die ordengeschmückte Einweihung eines Kaiserdenkmals, bei der Heßling chauvinistisch in Rage redet, bevor ein Gewitter hereinbricht (Wikipedia).
Historischer Hintergrund
- Der Film karikiert das autoritär-nationalistische Klima des ausgehenden Wilhelminischen Kaiserreichs (Film und Geschichte, Analyse der Satire)
- Heinrich Mann schrieb den Roman zwischen 1906 und 1914 – also unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg
- Die Handlung umfasst die Zeit von etwa 1890 bis 1914
- Die Epoche ist geprägt von Militarismus, Obrigkeitsstaat und Untertanengeist
Bedeutung des Titels
„Untertan“ bezeichnet eine Person, die einer Herrschaft unterworfen ist – im wilhelminischen Kontext meint es den Staatsbürger, der blinde Autoritätsgläubigkeit über eigenständiges Denken stellt. Der Protagonist Diederich Heßling verkörpert diesen Typus perfekt: opportunistisch, feige und nach oben buckelnd, nach unten tretend.
Der Film ist keine reine Literaturverfilmung: Staudte fügte eine explizite Brücke zum Nationalsozialismus ein – das Ende zeigt einen Zeitraffer bis 1945, der den direkten historischen Zusammenhang zwischen wilhelminischem Untertanengeist und NS-Herrschaft betont. Im Westen wurde dies als DDR-Propaganda kritisiert (Wikipedia, Rezeption).
Die Konsequenz: Der Film formuliert eine historische These, die über die literarische Vorlage hinausgeht – der Untertan als Wegbereiter der Diktatur. Das war 1951 im geteilten Deutschland ein politischer Sprengsatz.
In welcher Zeit spielt der Untertan?
Zeitliche Einordnung des Romans
- Der Roman spielt im deutschen Kaiserreich unter Wilhelm II. (1890–1914) (Wikipedia)
- Die Handlung des Romans beginnt in den 1890er Jahren und endet kurz vor dem Ersten Weltkrieg
- Heinrich Mann begann die Arbeit am Manuskript 1906, die Veröffentlichung erfolgte 1918
Epoche des Wilhelminismus
Der Wilhelminismus (ca. 1890–1914) war geprägt von nationalem Größenwahn, Militarismus und einer rigiden Gesellschaftsordnung. Diederich Heßling ist das Produkt dieser Zeit: Ein Mensch, der Autorität vergöttert und Schwäche verachtet. Der Film verdichtet diese Epoche zu einer einzigen, ununterbrochenen Fallhöhe (Film und Geschichte, historische Einordnung).
Historische Bezüge im Film
- Der Film überträgt die Zeit auf die 1950er-Jahre, behält aber die historische Kulisse bei
- Staudte verwendete Originaldokumente und Fotografien aus der Kaiserzeit
- Die Kostüme und Bauten orientieren sich an historischen Vorlagen
Wer spielte den Untertan?
Hauptdarsteller Werner Peters
Die Hauptrolle des Diederich Heßling spielte Werner Peters. Seine Darstellung wurde als „Meisterleistung“ beschrieben – er verkörpert die widersprüchliche Mischung aus Unterwürfigkeit und Arroganz mit einer fast körperlichen Präsenz (Wikipedia, Besetzung). Peters war zuvor vor allem in Nebenrollen bekannt und wurde durch diesen Film schlagartig einem breiten Publikum bekannt.
Nebenrollen und Darsteller
- Edith Prager als Guste Daimchen
- Paul Esser als Buck
- Eduard von Winterstein als Oberlehrer
- Käthe Scharf als Frau Heßling
- Weitere: Werner Klingler, Agnes Windeck, Hans Emons
Viele Schauspieler waren DEFA-Stammpersonal – die Produktionsfirma DEFA besetzte ihre Filme mit einem festen Ensemble (Wikipedia, Cast).
Besonderheiten der Besetzung
- Werner Peters sprach den Text mit einer betonten, fast übertriebenen Intonation – das verstärkt den satirischen Effekt
- Die Darsteller der Nebenrollen tragen die Handlung durch pointierte Dialoge und mimische Übertreibungen
- Staudte inszenierte sein Ensemble bewusst im Stil einer Filmfarce – direkte Anleihen bei der Stummfilmkomödie sind erkennbar
Obwohl die Besetzung als homogen gilt, ist die darstellerische Leistung von Werner Peters so dominant, dass Nebenfiguren mitunter verblassen – eine architektonische Entscheidung Staudtes, die den Fokus ganz auf den Untertan selbst lenkt.
Wie endet der Untertan?
Schluss des Romans
Im Roman stirbt der Kaiser – und Diederich Heßling feiert dennoch den Sieg der Autorität. Er beugt sich vor dem neuen Herrscher, der im Roman nicht namentlich genannt wird, aber die Kontinuität des Obrigkeitsdenkens symbolisiert. Heßling lernt nicht aus der Geschichte, er passt sich nur an (DEFA-Stiftung, Analyse).
Schluss des Films
- Der Höhepunkt ist die Einweihung eines Kaiserdenkmals, bei der Heßling eine chauvinistische Rede hält (Wikipedia)
- Ein Gewitter bricht herein – und der Film springt im Zeitraffer bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
- Das Kaiserdenkmal liegt in Ruinen, begleitet von der Fanfare der NS-Wochenschau
- Der Zuschauer sieht, wie das Denkmal des Untertanen zur Ruine wird – und die Geschichte sich wiederholt
Interpretation des Endes
Das Ende ist eine bittere Satire auf die Unfähigkeit zur echten Veränderung. Indem Staudte den Zeitraffer bis 1945 spannt, argumentiert er: Der Untertan-Typus überlebt jede politische Wende. Der Kreis schließt sich – was mit wilhelminischer Arroganz begann, endet im nationalsozialistischen Untergang (DEFA-Stiftung, Deutung).
Die Implikation: Für den Zuschauer von 1951 bedeutete das eine unangenehme Erkenntnis – die autoritäre Mentalität war nicht tot, sie hatte nur ihre Uniform gewechselt. Im Westen wurde der Film deshalb als DDR-Propaganda gebrandmarkt.
Welchen Namen trug Heinrich Manns Untertan?
Name und Bedeutung Diederich Heßling
Der Protagonist heißt Diederich Heßling. „Diederich“ ist eine niederdeutsche Variante von „Dietrich“ – ein Name, der auf den Volkshelden verweist, aber im Kontext der Satire eine ironische Brechung erfährt. „Heßling“ ist ein sprechender Name: Das Wort klingt nach „Hessen“ und nach „hässlich“ – der Untertan ist eine verweichlichte, autoritätshörige und feige Gestalt (DEFA-Stiftung, Charakterisierung).
Charakterisierung der Hauptfigur
- Heßling ist von Kindheit an überzeugt, dass „die Stärkeren immer recht haben“ (DEFA-Stiftung)
- Er lernt früh, sich nach oben zu biegen und nach unten zu treten – seine Lebensmaxime
- Er ist opportunistisch, feige und voller Ressentiments
- Sein Aufstieg in der Provinzstadt Netzig basiert auf Intrigen, nicht auf Leistung
Symbolik des Namens
Der Name „Heßling“ wird oft als Verkleinerungsform von „Hesse“ gedeutet – der Untertan wäre demnach der kleine, unbedeutende Hesse, der sich an die Macht klammert. Die Satire Heinrich Manns zielt darauf ab, einen ganzen Gesellschaftstypus in dieser Figur zu bündeln: den deutschen „Untertanen“ als soziales und psychologisches Phänomen (Film und Geschichte, Figurendeutung).
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „untertan“?
„Untertan“ bezeichnet eine Person, die einer staatlichen Autorität unterworfen ist. Im Kontext des Romans und Films meint es den willfährigen, unkritischen Staatsbürger, der blind gehorcht.
Wo kann ich den Film Der Untertan streamen?
Der Film ist auf verschiedenen Plattformen verfügbar, darunter kolektiva.media und gelegentlich in Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender. Prüfen Sie die aktuellen Streaming-Dienste.
Ist der Film Der Untertan verboten?
Der Film war in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren umstritten, aber nie offiziell verboten. Er wurde von einigen westdeutschen Ländern als jugendgefährdend eingestuft, aber nicht generell zensiert.
Wie unterscheidet sich der Film vom Roman?
Der Film betont stärker die Verbindung zum Nationalsozialismus, indem er das Ende bis 1945 im Zeitraffer zeigt. Der Roman endet mit dem Tod des Kaisers und Heßlings Anpassung an den nächsten Herrscher.
Welche Auszeichnungen erhielt Der Untertan?
Der Film gewann 1951 den Nationalpreis der DDR (Kunst und Literatur) und wurde auf internationalen Festivals gezeigt. In der Bundesrepublik blieb eine breite Anerkennung aus politischen Gründen aus.
Wer schrieb die Musik zum Film?
Die Filmmusik komponierte Herbert Stothart, der auch für andere DEFA-Produktionen tätig war. Die Musik unterstreicht den satirischen Ton des Films.
Warum heißt Diederich Heßling „Untertan“?
Weil er den idealtypischen Untertanen verkörpert: autoritätsgläubig, opportunistisch, feige und nach unten tretend. Der Titel ist eine soziale Diagnose, nicht nur eine Beschreibung einer Person.
Für den deutschen Kinogänger von heute ist die Entscheidung klar: „Der Untertan“ ist mehr als ein historisches Dokument – er ist ein Spiegel, den man sich vorhalten lassen sollte, in einer Zeit, in der autoritäre Tendenzen wieder lauter werden. Wer die Vergangenheit verstehen will, findet hier den Schlüssel – oder das Brandmal einer Mentalität, die nie ganz verschwunden ist.
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